Der Kantonsrat hat sich in seiner letzten Sitzung vor den Herbstferien deutlich für Stimmrechtsalter 16 ausgesprochen. Ich habe mich darüber sehr gefreut. Und werde mich dementsprechend dafür engagieren, dass dieser Schritt auch wirklich zur Umsetzung kommt. An guten Argumenten fehlt es nicht.
Noch ist die Idee nicht im Ziel. Das tiefere Stimmrechtsalter muss noch eine Volksabstimmung überstehen. Gemeinsam mit dem Regierungsrat werde ich mich für Stimmrechtsalter 16 einsetzen. Aus diesen drei Gründen:
16-Jährige haben noch keine Ahnung vom richtigen Leben!
Genau so ist es: Eine 16-Jährige hat keine Ahnung vom richtige Leben. Genau so wenig wie ein 50-jähriger Universitätsprofessor Ahnung von der Arbeit auf der Baustelle hat. Oder eine 80-jährige ehemalige Lehrerin, die bald ihre Diamantene Hochzeit feiert, vom Leben als Single eine Ahnung hat. Oder meine Nachbarin, die hat vielleicht nicht wahnsinnig viel Ahnung von Volkswirtschaft. So wie ich keine Ahnung mehr habe, wie es ist, jung zu sein.
Denn seien wir ehrlich: Wir haben nie eine Ahnung von Allem. Wir kennen immer nur einen Teilaspekt des Lebens: unser Leben. Und aus dieser individuellen Perspektive nehmen wir auch an Abstimmungen und Wahlen teil. Und 16-Jährige wissen genau so viel oder eben auch genau so wenig vom Leben wie 50-Jährige oder 80-Jährige. Darum sollen sie auch mitbestimmen.
Die Jungen wünschen sich politische Bildung
Die Direktion der Justiz und des Innern hat eine Studie zur politischen Partizipation von 16 bis 25-Jährigen im Kanton Zürich in Auftrag gegeben; sie wurde im Rahmen eines Capstone-Kurses der Universität Zürich durchgeführt. Diese repräsentative Studie zeigt, dass junge Menschen im Kanton Zürich grundsätzlich politisch interessiert sind. Dabei ist unter jungen Menschen ein hohes Interesse an mehr politischer Bildung vorhanden. Unterstützend für die politische Teilnahme sind ein einfacher Zugang zu Informationen und Wahlprozessen und auch Rollenvorbilder, damit Politik nicht als ‘etwas für die Älteren’ wahrgenommen wird. Stimmrechtsalter 16 – learning by doing.
Weshalb sollten wir den Jungen etwas vorenthalten, was sie sich explizit wünschen?
Learning by doing
In den Nationalratswahlen 2019 lag die Beteiligung der 18 bis 24-Jährigen bei durchschnittlich 33 Prozent (im Kanton Zürich gar nur bei 28 Prozent). Die Durchschnittsbeteiligung in der Gesamtbevölkerung hingegen lag bei 45 Prozent. Das ist – freundlich ausgedrückt – nicht wahnsinnig viel!
Ein entscheidender Vorteil von Stimmrechtsalter 16: Junge Menschen könnten schon abstimmen, wenn der Staatskundeunterricht in der Schule stattfindet. Alles andere ist doch frustrierend. Vom Abstimmen reden es aber nicht umsetzen dürfen. Das ist wie Schwimmen im Trockenen. Mit Stimmrechtsalter 16 kann das Gelernte gleich direkt in die Praxis umgesetzt werden – Learning by doing sozusagen.
Durch ein früheres Stimmrechtsalter werden mehr junge Menschen langfristig vom Wählen und Abstimmen überzeugt. Damit stärken wir die Demokratie und verankern sie noch besser in den Köpfen. Das ist wichtig, denn letztlich gilt: Die Legitimation unserer Demokratie ist umso besser, je mehr Menschen an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen. Eine breite Teilhabe ist wichtig.
Das Stimmrechtsalter 16 ist gewiss nicht die einzige Massnahme, um die politische Partizipation zu erhöhen – aber eine der Massnahmen. Wir sollten die Chance packen.
Bild: Eine breite Teilhabe ist wichtig – darum ist Stimmrechtsalter 16 richtig. (Quelle Axel Bueckert, Photocase)

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