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Licht ins Dunkelfeld der staatlichen Zwangsmassnahmen

21. Oktober 2024 Kommentar schreiben

Bücher zum Thema auf dem Büchertisch im Museumsshop des Landesmuseums Zürich

Wo werden unsere Nachfahren sich entschuldigen müssen für staatliches Handeln, dass wir heute kritiklos vollziehen? Die Ausstellung «Fremdplatziert» im Landesmuseum bringt momentan Licht in eines dieser Dunkelfelder. Es gibt aber noch mehr.

Wissen Sie, dass im Kanton Zürich noch 2002 Kinder aus Indien adoptiert wurden, obwohl deren Eltern die Kinder gar nicht zur Adoption freigegeben hatten? Ende September 2024 haben Forschende aus den Kantonen Zürich und Thurgau eine Arbeit vorgelegt, in der sie zeigen, dass Zürcher Behörden in den Jahren 1973 bis 2002 bei Adoptionen von Kindern aus Indien wegschauten. So stimmten die Behörden Adoptionen zu, obwohl keine Verzichtserklärung der Eltern vorlag. Das Schweizer Gesetz schrieb das aber damals vor.

Es gab auch in der Schweiz eine Zeit, in der Kinder ihren Eltern entrissen wurden. Mich hat dieses Thema politisch wie kaum ein anderes beschäftigt. Bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden Menschen, die nicht der Norm entsprachen, weggesperrt, ausgegrenzt und ihrer Kindheit beraubt. Sie wurden zu Verbrecherinnen gemacht und in Haftanstalten untergebracht – als Jugendliche Seite an Seite mit Menschen, die zum Teil schwere Straftaten begangen hatten. Betroffen waren auch noch Altersgenossen von mir. Man fand das damals richtig. Bis auf wenige mahnende Stimmen blieben alle stumm oder schauten weg.

Aufarbeitung

Heute ist das anders. Betroffene haben in den letzten Jahren ihre Stimme so stark erhoben, dass sie nicht mehr überhört werden konnten. Dank diesem mutigen Engagement sind wir heute daran, die dunklen Kapitel unserer Vergangenheit aufzuarbeiten, uns für die Fehler der Vergangenheit zu entschuldigen und vor allem aus den Verfehlungen zu lernen.

Auslandadoptionen werden heute sehr streng kontrolliert. Das sogenannten Hager Abkommen sorgt für Internationale Koordination. Auch gelang es, die fürsorgerisch Zwangsversorgten zu rehabilitieren und teilweise zu entschädigen. Am 11. April 2013 sagte Bundesrätin Simonetta Sommaruga an einem Gedenkanlass zu ehemaligen Opfern von staatlichen Zwangsmassnahmen: «Für das Leid, das Ihnen angetan wurde, bitte ich Sie im Namen der Landesregierung aufrichtig und von ganzem Herzen um Entschuldigung.»

Ja, die Schweiz ist bei diesem Thema in sich gegangen.

Noch wenige Tage ist im Landesmuseum die Ausstellung «Fremdplatziert» zu sehen. Es ist beeindruckend, wie viele Biographien und wissenschaftliche Untersuchungen Licht ins Dunkelfeld dieser staatlichen Zwangsmassnahmen gebracht haben: Das belegt die reiche Auswahl solcher Aufarbeitungen auf dem Büchertisch im Museumsshop des Landesmuseums, ersichtlich auf dem Foto oben.

Und in Zukunft?

Was werden unsere Nachfahren künftig über unser Handeln denken? Was werden sie eigenartig, ja schlicht für falsch halten? Wo werden sie sich entschuldigen müssen für staatliches Handeln, dass wir heute kritiklos vollziehen? Diese Fragen treiben wohl nicht nur mich um.

Ich habe leider meine Vermutungen. Der Umgang mit den Sans Papiers zum Beispiel. Oder die teilweise verweigerten Kinderrechte im Asylwesen. Oder für unseren oft unwürdigen Umgang mit dementen Menschen. Oder möglicherweise auch für die Inhaftierung von psychisch kranken Personen in unseren Gefängnissen.

Schade, dass wir die rückblickende Beurteilung unserer aktuellen Arbeit noch nicht in Händen haben.

Bild: Büchertisch im Shop des Landesmuseums in Zürich (PD)

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