Heute – am internationalen Tag gegen Rassismus – spielt YB in Trikots mit Anti-Diskriminierungsbotschaften gegen den FCZ. Auch der FC Winterthur engagiert sich seit langem für Integration, Toleranz und gegen Diskriminierung. Im Kampf für das solidarische Miteinander sind wir auf Vorbilder angewiesen – die beiden Clubs zeigen, wie das geht.
Im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung braucht es uns alle. Wir haben zwar Strafnormen, die Rassismus und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verbieten. Doch allein Gesetze – obschon wichtig und richtig und nötig – schaffen Rassismus und Diskriminierung nicht aus der Welt.
Es braucht mehr. Es braucht die wache, engagierte, sensible und mutige Zivilgesellschaft. Es braucht Menschen, Vereine und Organisationen, die ihre Stimme erheben und immer wieder zum Ausdruck bringen, dass sie an die Gleichheit, das Miteinander und die Solidarität glauben und bereit sind, sich dafür zu engagieren.
Ich schreibe diese Zeilen nicht zufällig heute. Heute ist ein spezieller Tag im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung: Es ist der offizielle Tag gegen Rassismus. Und es ist der Tag, an dem die Fussballer der Berner Young Boys ihr Spiel gegen den FC Zürich im Zeichen dieses Kampfs austragen.
Die YB-Fussballer spielen in speziellen, komplett schwarzen Trikots. Die Rückennummern sind geformt aus Anti-Diskriminierungsbotschaften in den Muttersprachen aller Spieler. Der Captain trägt eine Armbinde im Regenbogen-Look – und im selben Look sind auch die Cornerfahnen im Stadion.
Seit einem Vierteljahrhundert
Alles nur Symbolik? Ja, es ist Symbolik. Und das ist auch gut so, denn Symbolik ist wichtig. Sie ist das Schmiermittel der Überzeugungskraft. Wir lassen uns überzeugen, wenn Vorbilder, mit denen wir uns identifizieren, glaubwürdig und ernsthaft ein Anliegen versinnbildlichen.
Das geschieht hoffentlich, wenn Fussballstars sich gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen. YB macht das heute nicht zum ersten Mal. Vielmehr feiert der Club mit dem heutigen Auftritt ein Jubiläum: Vor 25 Jahren traten die YB-Spieler erstmals mit einer Anti-Rassismus-Botschaft auf den Rasen – damals prangte auf den Leibchen die Aufschrift «Gemeinsam gegen Rassismus».
Auch vor der Abstimmung über das Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuellen Orientierung im Februar 2020 nahm der Club Stellung. Damals versah er auf seinen Social-Media-Kanälen das YB-Logo mit einem Regenbogen.
YB ist freilich nicht der einzige Fussballclub mit einem solchen Engagement. Gerne gebe ich zu: Als Winterthurerin bin ich stolz, dass sich auch «unser» FC Winterthur schon lange und mit grosser Leidenschaft gegen Diskriminierung und für Integration einsetzt.
Inbegriff der Modernität
Der FC Winterthur ist kein «normaler» Club. Er ist anders. Eine Zeitung hat ihn einmal als «einen der letzten Horte der Nostalgie im Schweizer Profifussball» bezeichnet. Ich finde, es ist gerade umgekehrt: Der FC Winterthur ist für mich der Inbegriff der Modernität – weil hier ein Bewusstsein besteht für die Verantwortung, die ein Fussballclub hat. Die Verantwortung, Vorbild zu sein. Die Verantwortung, Haltung zu zeigen. Die Verantwortung, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten.
Der FC Winterthur lebt diese Verantwortung. So hat er sich eine Sozialcharta gegeben (Titel: «Weil Fussball mehr ist als nur ein Spiel»), welche griffig festhält, zu was sich der Klub bekennt (Toleranz, Weltoffenheit, Inklusion) und was er bekämpft (Diskriminierung, Rassismus, Ausschluss). Der Club lässt es jedoch nicht bei schönen Worten bewenden – er setzt um, ganz konkret.
Solches Engagement im Fussball-Umfeld, ob in Bern oder Winterthur, ist wichtig. In Fussballstadien versammeln sich (in normalen Zeiten…) Fans mit ganz unterschiedlichen Haltungen zu gesellschaftlichen Fragen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch die Grenze ist klar: Rassistische, sexistische, generell diskriminierende Parolen, wie sie leider immer mal wieder zu hören sind, gehen unter keinem Titel. Ich bin glücklich, wenn sich Clubs mit demonstrativer Entschlossenheit solchen Ausbrüchen entgegenstellen. Die Würde des Menschen ist nicht verhandelbar.
Noch glücklicher bin ich, wenn die Vorbilder YB und FCW viele Nachahmer finden. Ich freue mich sehr auf den Tag, an dem Fussballstadien nicht mehr «nur» die Bühne für spektakuläre Spiele sind, sondern ganz selbstverständlich auch der Ort des solidarischen, bunten, diskrimnierungsfreien Miteinanders.
Foto: Bekenntnis auf der Schützenwiese – der FC Winterthur engagiert sich bereits seit langem gegen Rassismus und Diskriminierung. (Bild FC Winterthur)

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