Der Kanton Zürich geht bei der Corona-Hilfe für Kulturschaffende einen neuen Weg. Das Motto: Rasch und unbürokratisch.
Die Corona-Pandemie trifft viele hart. Mit am stärksten leiden unsere Kulturschaffenden. Schon in guten Zeiten liegen die Einkommen vieler Schauspieler, Musikerinnen, Maler, Comedians und Tänzerinnen unter dem Existenzminimum. Aktuell geht gar nichts mehr, keine Konzerte, keine Auftritte, keine Lesungen, und also fliesst auch kein Geld. In dieser existenziellen Krise tut rasche Hilfe Not. Wir wollen und müssen unsere Kultur retten!
Ich bin darum sehr froh, dass die Bundesversammlung und der Bundesrat beschlossen haben, dass auch Kulturschaffende wieder von Ausfallentschädigungen profitieren können.
Jetzt geht es um die Frage, wie wir den Kulturschaffenden so wirksam und so rasch wie möglich helfen können. Bei der Härtefallhilfe für wirtschaftliche Betriebe klagen viele über ein «Bürokratiemonster». Bei der Hilfe für Kulturschaffende darf es das nicht geben. Die Gefahr ist allerdings durchaus gross. Das haben wir im Frühsommer 2020 erfahren, als wir die 1700 Gesuche von Kulturschaffenden und -betrieben im Kanton Zürich den Vorgaben gemäss aufwändig und genau geprüft haben. Wir konnten zwar helfen, verloren aber viel Zeit und benötigten grosse Ressourcen.
Die kulturelle Vielfalt erhalten
Für die nächste Runde der Corona-Hilfe sage ich der Bürokratie darum den Kampf an. Ich habe meine Fachstelle Kultur angewiesen, ein neues Modell anzuwenden, das einfach ist und überprüfbar. Und vor allem hilft, es das Hauptziel zu erreichen: Wir wollen die kulturelle Vielfalt in unserem Kulturkanton Zürich erhalten.
Und so funktioniert’s: Kulturschaffende erhalten befristet bis Ende April ein Ersatzeinkommen von monatlich 3840 Franken – das entspricht 80 Prozent eines angenommenen monatlichen Schadens von 4800 Franken; diese Summe empfiehlt der Verban der Theaterschaffenden Schweiz. Von diesen 3840 Franken abgezogen werden alle Zahlungen, die die Kulturschaffenden aus anderen Quellen bekommen, beispielsweise aus der Erwerbsersatzentschädigung. Kulturschaffende deklarieren diese Zahlen selber – im Sinn der raschen und einfachen Abwicklung. Wir kontrollieren das aber mit Stichproben und machen klar, dass Falschangaben strafrechtliche Konsequenzen haben.
Gerecht und einfach
Unser Modell ist gerecht: Es sorgt dafür, dass geringverdienende Kulturschaffende überleben können. Die wenigen Grossverdiener unter den Kulturschaffenden gehen leer aus, es sei denn, sie haben abgesagte Veranstaltungen. Diese werden weiterhin entschädigt. Im übrigen sind in dieser Gruppe die Erwerbsersatzgelder höher als 4800 Franken.
Unser Modell ist einfach: Wir halten die Administration und die Kosten für die Beurteilung der Gesuche tief. Die Stichproben und die Strafandrohung sind wirksame Mittel gegen möglichen Missbrauch.
Zudem steht unser Modell im Einklang mit den Vorgaben des Bundes: Dieser hält die Kantone dazu an, den administrativen Aufwand für die Umsetzung gering und die Lösung zur Berechnung und Ausrichtung der Entschädigungen möglichst einfach zu halten.
Genau das tun wir mit der Zürcher Lösung. Diese mag auf den ersten Blick unschweizerisch anmuten, weil nicht jeder Franken beleg- und begründbar ist. Aber unser Weg erreicht die Ziele des Bundes voll und ganz. Mit unserer Lösung können wir die kulturelle Vielfalt erhalten. Sie wirkt rasch und verursacht wenig Aufwand. Kurz: Wir schaffen kein weiteres Bürokratiemonster.
All das tun wir zum Nutzen und zum Schutz der Zürcher Kultur.
Foto: Vorhang zu – viele Kulturschaffende bringen die Corona-bedingten Ausfälle in existenzielle Nöte. (Bild Pixabay)

Danke! Großartig!!
Wir vom Berufsverband t. Theaterschaffende Schweiz gratulieren Ihnen zu diesem unbürokratischen Modell für Kulturschaffende mit Berufsverbot!
Pro Kultur Kanton Zürich begrüsst das neue Modell. Es bildet Vertrauen und rettet Kulturschaffende vor dem existenziellen Ruin. Es ist ein klares Statement zur sozialen Sicherheit von Kulturschaffenden und damit zum Kulturkanton Zürich.
Herzlichen Dank Frau Jacqueline Fehr! Ich bin seit 38 Jahren freischaffender Musiker, hatte nie Schulden, nie irgendwelche finanziellen Zuschuesse vom Staat. Diese Krise wuerde mir das Genick brechen, wenn es keine adequate Loesung gaebe. Ich hoffe das diese Hilfe wirklich unbuerokratisch durchfuehrbar ist. Ich bekomme chf 900.- EO im Monat, warte aber immer noch auf den Dezemberbeitrag! Somit lebe ich von meiner Altersvorsorge. Ich Danke Ihnen von Herzen fuer soviel Menschlichkeit! Liebe Gruesse und alles Gute, Joe Schwach
Vielen Dank Jaqueline Fehr! Das Statement hört sich unbürokratisch und fair an.
Wann und wo wird das Eingabeformular aufgeschaltet?
Vera Rothamel
Auch von mir herzlichen Dank! Ich schliesse mich der Frage an, wann und wo man sich anmelden kann. Eins habe ich nämlich schon gelernt: Es ist sehr leicht, wichtige Fristen zu verpassen!
Alle Infos hier: https://www.zh.ch/de/gesundheit/coronavirus/unternehmen-und-selbstaendige/corona-hilfen-fuer-kultur.html
(Detaillierte Info ab Anfang Februar, Eingabe ab Mitte Februar, Eingabetermin 28. Februar.)
Beste Grüsse, die Redaktion.
Danke!
Liebe Frau Fehr, auch ich möchte mich dem grossen Dank anschliessen. Als kultureller Grenzgänger kenne ich auch die Lösungen auf der deutschen Seite, die, bei allem Wohlwollen, sehr zu wünschen übrig lassen. Viele wissen nicht, wie weiter. Hartz IV?? Leider gibt es immer noch Leute, die Künstler für Wohlstandsschmarotzer halten, obwohl sie einen grossen Beitrag zur allgemeinen Wertschöpfung (ökonomisch und auch geistig-seelisch) beitragen, für wesentliche, positive weiche Standortfaktoren sorgen. Aus Künstlern werden nicht schnell mal Strassenbahnfahrer oder Krankenpfleger, ohne, dass sie in ihren Kernkompetenzen verlieren. Ihre Hilfe sorgt dafür, dass sie in der Zeit nach der Pandemie auf Topniveau weitermachen, in eigene Strukturen investieren, besser aufgestellt sind als je zuvor. Das kommt dann allen, auch der Wirtschaft, wieder voll zugute!
Liebe Jacqueline, danke für dieses einfache Modell. Klar, 100% “gerecht” ist kein Modell. Das gewählte Vorgehen ist für mich angesichts der andauernden, enorm schwierigen Lage aber hinreichend fair, nicht übertrieben, aufgrund der Strafandrohung genügend kontrollierbar – und lässt das Geld rasch dorthin fliessen, wo es gebraucht wird, statt dass dieses in der Bürokratie versickert.
Danke! Freue mich sehr über die parteiübergreifende Unterstützung! Jacqueline Fehr
Das ist gut. Aber noch wichtiger wäre, dass endlich konsequent gegen das Virus vorgegangen wird. Können die Inzidenzen nicht nachhaltig massiv reduziert werden, werden gerade die Kulturschaffenden noch lange zuhause bleiben müssen. Und: mit jedem Tag, an dem wir dem Virus so viel Raum geben, steigt rein statistisch die Chance, dass neue, vielleicht noch schlechter zu beherrschende Mutationen entstehen. Deshalb: #nocovid jetzt!
Vielen, herzlichen Dank!! Einfach grossartig!!
DAS wäre ja ganz grossartig, wenn wir trotz Veto seitens des Bundes, zu dieser unbürokratischen & wie ich meine, fairen & unbedingt nötigen Entschädigung kämen – ganz herzhaften Dank, liebe Jacqueline Fehr, fürs Kämpfen!!!
Ich wünsche mir, dass auch Covid unabhängig mehr Fördergelder und Unterstützungsbeiträge für Künstler*innen vor allem nach Abschluss des Studiums oder auch währenddessen zur Verfügung gestellt würden. Es ist doch schade, wenn Studienplätze finanziert werden und junge Menschen sich gut ausbilden, aber dann keinen Anschluss für das Gelernte finden. Die beste Lösung wäre natürlich ein bedingungsloses Grundeinkommen so wie dies in Frankreich für Kulturschaffende angewandt wird. Des weiteren wünsche ich mir, dass die Gesuche weniger administrative Hürden, sowie “Wenn und Abers” beinhalten würden. Leider zielen viele der bereits vorhandenen Massnahmen der Stadt und des Kantons immer noch an etlichen “bedürftigen” Kulturschaffenden und deren Bedürfnissen vorbei, weil sie zu kompliziert aufgegleist sind und mit zu vielen Extraanforderungen an den oft komplizierten und kräftezehrenden Lebens- , Arbeits- und Studiensituationen vieler junger Künstler*innen und Kulturschaffenden vorbeischrammen. Explizit für Künstler*innen und Kulturschaffende mit Kinderwunsch sollte mehr Unterstützung und Förderangebote, sowie Hilfe für die Kindesbetreuung gesprochen werden. Zu oft hängen Künstler*innen leider immer noch ihren Beruf an den Nagel, weil er mit der Mutterschaft nicht vereinbar ist. Dies tut dem Zürcher Kunst- und Kulturleben nicht gut, verunmöglicht Diversität und ist schlichtweg diskriminierend.
Kann mir jemand diesen Nonsense erklären:
“Zurzeit ist eine Gesuchseingabe noch nicht möglich. Gesuche können ab Mitte Februar über das elektronische Gesuchsportal eingereicht werden.”
“Kulturschaffende können ab Mitte Februar Gesuche einreichen. Eingabefrist ist der 28. Februar 2021. Der erste Eingabetermin für Gesuche von Kulturunternehmen ist abgelaufen. Neue Gesuche können ab Mitte April eingereicht werden. Nächste Eingabefrist ist der 15. Mai 2021.”
Aber klar, die Künstler, die jetzt nichts verdienen haben genug Rücklagen, um die Zeit zu überbrücken, die die hochbezahlten Beamten benötigen, um ein Portal zur Verfügung stellen. Da die Kulturschaffenden soviel Geld haben, brauchen sie die Hilfen eigentlich gar nicht.
https://www.zh.ch/de/gesundheit/coronavirus/unternehmen-und-selbstaendige/corona-hilfen-fuer-kultur.html#-1428479427
Ich hätte da noch einen Nachtrag, wo es doch jetzt um die Rechtsauslegung geht, ob sich die Künstlerhilfe mit den Verordnungen des Bundes verträgt: Mittlerweile kann man schon nicht mehr von “Ausfallsentschädigungen” sprechen, da Veranstalter seit bald einem Jahr nichts mehr buchen. Die warten fast ausnahmslos darauf, dass der Spuk endet. Man kann fast nur noch den totalen Kahlschlag bzw. gähnende Leere vermelden neben wenigen Absagen.